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Kulturwissenschaftlicher Streufilter

Das Bildsein vor dem Recht

Wie eine Theorie aussehen kann, die „nicht nach Positionen fragt, sondern nach dem, was jede Position voraussetzt“, versucht seit einigen Jahren der österreichische Rechtstheoretiker und -informatiker Friedrich Lachmayer vor Augen zu führen. Eine Auswahl seiner anregenden Präsentationen findet man hier.

Unlängst publizierte er in einem Blog einen neuen Bildsatz, mit dem er über die Folgen der Verstärkten Aufmerksamkeit für das Bildsein, das Multimediasein, oder letztlich das Multisensorischsein der Rechtstheorie nachdenkt:

Quelle: Friedrich Lachmayer 2010.

Vielleicht könnte man diesen … »

Frühe Bewegtbildschreiber

Eine hochinteressante Seite zur Frühgeschichte des Fernsehens: http://www.tvdawn.com/recordng.htm

Die Frage nach dem “Prä” der Positionen


Abb. aus Michel Serres: La Légende des Anges, Paris 1993.

Wolken und Wörter im Zwischenraum. Es ist das Reich der Operatoren und Vektoren, der logischen Schalter und sprachlichen Ausdrücke wie “in”, “auf”, “unter”, “über”, “vor”, “zwischen” usw. Der Zwischenraum ist der Raum des “zwischen”, kurz: der Präpositionen. Dort zeigt sich ein eigenartiger Hang zur Begriffslosigkeit, denn Begriffe sind Substantive. Wie aber sähe eine Theorie aus, die sich weniger um Begriffe = Substantive kümmern würde, als vielmehr um jene anderen Wörter? … »

Hybridantrieb für Quasi-Regierung

Die wachsende Auslagerung von staatlichen Aufgaben an private Dienstleister hat auch organisationelle „Hybridisierung“ zur Folge. Es findet eine Machtverschiebung statt, für die Jonathan Koppell den Begriff „Quasi-Regierung“ wählt; mit verschiedensten Konsequenzen. Die „überraschendste“ Konsequenz der „Quasi-Regierung“, die Koppell in seiner Untersuchung zur (Un)Regulierbarkeit von hybriden Organisationen (wie Fanny Mae oder Freddie Mac) im Jahr 2003(!) identifizierte, ist der institutionelle Selbstentwurf:

One of the most surprising developments for policy-makers who create a new organization to accomplish some public policy purpose may be that, once translated from abstract concept into actual entity, the organization takes on a life of its own. It has its own interests and the means to pursue them. […] Hybrid organizations may even be able to use their influence to reshape themselves … »

Absurde Zitate (III)

„S weiß, dass p, genau dann wenn S glaubt, dass p und p wahr ist.“

Dem absurden Zitat sei ein einleuchtendes zur Seite gestellt: „Jede Erkenntnistheorie ohne geschichtliche und vergleichende Untersuchungen [bleibt] ein leeres Wortspiel, eine epistemologia imaginabilis.” (Ludwik Fleck, Entstehung und Entwicklung einer Wissenschaftlichen Tatsache (1935), Frankfurt am Main 1980, 31)

Filter als Parasit

Vor einigen Tagen machte Hans-Christoph Hobohm in seinem Blog auf einen gewandten Vortrag Clay Shirkys über die Notwendigkeit von neuen Filterfunktionen (im Akademischen) aufmerksam.

In Hobohms treffender Paraphrasierung:

Gänzlich neue Filter müssten geschaffen werden. Es hilft nicht, die alten an der Oberfläche zu reparieren, sie sind aus strukturellen Gründen zerbrochen. … »

Radieschen

Die malerische Namensgebung der deutschen „Geräte“ im Zweiten Weltkrieg, sprich Waffen, war nicht immer sinnbildlich.

Das abgebildete passive Zielsuchgerät „Radieschen“ etwa, das von der Reichspostforschungsanstalt … »

Vampire, Flanellbälle und die Signifikanz des Narrativen

Man nehme irgendeinen Gegenstand, ein kurioses oder auch ganz banales Findlding zum Beispiel, und denkt sich dazu eine Geschichte aus. Rob Walker und Josh Glenn wetteten in ihrem Projekt Significant Objects, dass sich eine solche, auf ein Ding getragene, in das Ding eingeschriebene Narration in seinem Wert objektiviert, ihm weitgehend eigen wird.

(Mehr zum Bild hier.) Die Wette ging anscheinend auf. Man könnte Significant … »

Stille im Kanal

Nach Jahren des Rauschens tatsächlich einmal Totenstille im Facebook-Kanal:
facebook

Live Vortrag von Peter Koval und Robert Dennhardt

Vom Experimentiertisch zu Electronic Design Automation (EDA). Aus der Geschichte des Schaltplanentwurfs von 1875 bis 1975 (am 4. Februar 2010 in Paderborn von 16:45 bis 17:30)

Von der Tagung Unsichtbare Hände.

Free live streaming by Ustream

Absurde Zitate (II)

“So ist es heute, ärger noch, wie es scheint, gefährlicher, schwerer noch für den geistigen Menschen, sich anständig zu halten und zu stellen gegen den absurden Tag.”

Thomas Mann in einem Brief an Hermann Hesse vom Juni 1952. Zitiert nach: Wahlverwandtschaft mit Goethe, in: FAZ, Nr. 163, Samstag, 17. Juli 1999, S. II.

Umberto Ecos “postmoderne Zitierwut”

(1980) Anhang

Den folgenden Text habe ich tatsächlich zur Präsentation des malerischen Werks von Antonio Fomez nach den Regeln der postmodernen Zitierwut geschrieben (vgl. Antonio Fomez, Da Ruopolo a me, Studio Annunciata, Mailand 1982).

Um dem Leser (zum Begriff des Lesers vgl. D. Coste, “Three concepts of the reader and their contribution to a theory of literary texts”, “Orbis litterarum” 34,1980; W. Iser, “Der Akt des Lesens”, München 1972; “Der implizite Leser”, München 1976; U. Eco, “Lector in fabula”, Mailand 1979 [dt. München 1987]; G. Prince, “Introduction à l’étude du narrataire”, “Poétique” 14, 1973; M. Nojgaard, “Le lecteur et la critique”, “Degres” 21,1980) einige neue Intuitionen zu vermitteln (vgl. B. Croce, “Estetica come scienza dell’ espressione e linguistica generale”, Bari 1902; H. Bergson. “Ceuvres”, Edition du Centenaire, Paris 1963; E. Husserl, “Ideen zu einer Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie”, Den Haag 1950) über die Malerei (zum Begriff Malerei vgl. Cennino Cennini, “Trattato della pittura”; Bellori, “Vite d’artisti” Vasari, “Le vite”; P. Barocchi [Hrsg.], “Trattati d’arte del Cinquecento”, Bari 1960; Lomazzo “Trattato dell’ arte della pittura”; Alberti, “Della pittura”; Armenini, “De’ veri precetti della pittura”; Baldinucci, “Vocabolario toscano dell’ arte del disegno”; S. van Hoogstraaten, “Inleyding tot de Hooge Schoole der Schilderkonst”, 1678, VIII, i, 8.279 ff.; L. Dolce, “Dialogo della pittura”; Zuccari, “Idea de’ pittori”) von Antonio Fomez (zu einer allgemeinen Bibliographie vgl. G. Pedicini, “Fomez”, Mailand 1980, besonders S. 60-90), müßte ich eine Analyse (vgl. H. Putnam, “The analytic and the synthetic” in “Mind, Language and Reality” 2, London/Cambridge 1975; M. White [Hrsg.], “The Age of Analysis”, New York 1955) in Gestalt (vgl. W. Köhler, “Gestalt Psychologys” New York 1947; P. Guillaume, “La psychologie de la forme”, Paris 1937) vollkommener Unschuld und Unvoreingenommenheit bewerkstelligen (vgl. Piaget, “La representation du monde chez Penfant”, Paris 1955: G. Kanizsa, “Grammatica del vedere”, Bologna 1981). Das aber ist ein Ding (zum Ding an sich vgl. Kant, “Kritik der reinen Vernunft”, 1781-1787) der Unmöglichkeit in dieser Welt (vgl. Aristoteles, “Metaphysik”) der Postmoderne (vgl. vgl. ((vgl. (((vgl. vgl.)))))). Darum sage ich hier nichts (vgl. Sartre, “L’ être et le néant”, Paris 1943), und mir bleibt nur zu schweigen (vgl. Wittgenstein, “Tractatus”, 7). Entschuldigen Sie, vielleicht ein anderes (zum Begriff des anderen vgl. J. Lacan, “Ecrits”, Paris 1966) Mal (vgl. E. Violletle-Duc, “Opera omnia”).

Umberto Eco, Wie man einen Ausstellungskatalog bevorwortet, in: Ders., Wie man mit einem Lachs verreist (1992), Hanser, München 1993, S. 71f.

people – concepts – benjamin – symmetry principle

Spontane Technik der Symmetrisierung in STS:

Mehr unter http://sociotech.net/

Absurde Zitate (I)

„Bei einem Tag handelt es sich um ein Schlagwort, das zum Produkt passt.“

(Schönen Tag auch! Das Wort klein zu schreiben und kursiv zu setzen wäre vielleicht klarer, aber sicherlich nicht halb so schön.)

Globale Polyeder-Governance

Schon das globale Lininendenken bei Carl Schmitt (Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum, Berlin 1974, S. 55f.) wies der Geometrie eine strategische Rolle zu. Da jeder rechtlichen Ordnung eine Landnahme vorausgehe, hat man es – wegen des Oberflächencharakters der Erde – meist mit Flächenfiguren zu tun. Komplexer wird es, wenn man die Fläche verlässt; ob mit U-Booten, Flugzeugen oder Internet.

Ungeachtet der technischen Verfügbarkeit des Raumes, nehmen die operativen Figuren der Governance-Geometrie auch heute … »

„Simply move the sliders.“ Ein Mischpult für Manager

Eine der größten Anwaltskanzleien der Welt (DLA Piper) entwickelte einen bemerkenswerten Mischpult.

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Die Mischpult-Metapher soll den Prozess der Aushandlung von Outsourcing-Verträgen … »

Ballistik des heutigen Blicks

Augensprünge vor einem Bild werden in der Wahrnehmungspsychologie bekanntlich als “sakkadische” oder „ballistische Bewegungen“ bezeichnet. So heißt es etwa bei Julian Hochberg: „Wohin man blicken wird, ist im voraus festgelegt. Der ‚Inhalt‘ jedes einzelnen Blicks ist also gleichsam immer eine Antwort auf die Frage nach dem, was gesehen wird, wenn irgendein Teil der peripher gesehenen Szene auf die Fovea gebracht wird.“ (Hochberg 1977, 80). Diesem Beschuss der Bilder durch das Auge setzt der Werbeforscher Werner Kroeber–Riel mit der bekannten Formel der „schnellen Schüsse ins Gehirn“ den Beschuss der Augen durch die Bilder entgegen (Kroeber-Riel 1993, 53).

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In der Zusammenschau beider Bemerkungen zeigt sich, dass dem visuellen Schuss ins Gehirn immer eine Augenbewegung auf das Bild, dem Erleiden also ein Zulassen vorausgehen muss. … »

Einverleibung wissenschaftlicher Kreativität

Die Zeichnung, die Charles Darwins um das Jahr 1837 in sein Notebook B eintrug, wurde mehrfach als Glücksfall der Wissenschaftsgeschichte bezeichnet, weil Darwin zu schreiben begann: „I think“, dann aber zeichnend fortfuhr und so das erste Zeugnis der im Entstehen begriffenen Evolutionstheorie nicht in Form eines Textes, sondern einer Zeichnung hinterließ. Darwins Eintrag gilt daher im gegenwärtigen Paragone von Bild und Wort als Zeugnis der grundsätzlichen Fundiertheit des wissenschaftlichen Denkens im Bilden und im Bild.

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Schon Howard E. Gruber hatte die Zeichnung als bedeutend gekennzeichnet (Darwin´s Tree of Nature and Other Images of Wide Scope, in: ders., Katja Bödeker (Hg.), Creativity, Psychology, and the History of Science, Dordrecht, Boston 2005, S. 241–258, hier 247f). … »

Bioadapter und VerLust an Selbstironie

In einem interessanten Interview prophezeite neulich Linda Stone, ehemals eine Managerin bei Apple und Microsoft, dem Bioadapter eine große Zukunft – als positivistisches Regulativ der Mensch-Computer-Interaktion in Form von ludischen Verkörperungen des nichtinvasiven Feedbacks. Eigentlich müsste man dem Spiel mit sich selbst überlegen sein.

Vierzig Jahre nach der Veröffentlichung Oswald Wieners „Roman“ sind wir zwar immer noch nicht von der Philosophie durch Technik befreit, dafür wird die Verbesserung ohne Mitteleuropa geplant und ganz ohne Ironie gemeint. (Vgl. Oswald Wiener, Die Verbesserung von Mitteleuropa, Roman, Reinbek b. Hamburg 1969.)

Das Recht der digitalen Unschärfe

In einer wunderbar „unscharfen“ und gehaltvollen Habilitationsschrift untersucht Volker Boehme-Neßler das Aufeinandertreffen von Digitalisierung und Recht. (Volker Boehme-Neßler, Unscharfes Recht. Überlegungen zur Relativierung des Rechts in der digitalisierten Welt, Berlin 2008.)

Durch die Digitalisierung wandeln sich die Aufgaben des Rechts ebenso wie seine Instrumente. Dieser Veränderungsprozess, der gerade erst beginnt, muss theoretisch und dogmatisch erfasst und für die Praxis operationabel gemacht werden. Die deutliche Tendenz zur digitalen Unschärfe in der Lebenswelt und im Recht ist eine dreifache Herausforderung – für die Rechtstheorie, für die Rechtsdogmatik und für die Rechtspolitik. (S. 665)

Es gilt also, Unschärfe als Methode … »

Zeitspringer

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