Palmblatt als Lochkarte

Durch das Loch betrachtet gehört dieses handschriftbildlich verzierte Palmblatt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wohl zu den sinnlichsten Lochkarten der Geschichte. … »

Handschriftbildlich

Maschinenschriftbildlich:
Handgemachte Notizen samt Kritzeleien am Rande des Bewusstseins haben … »

Rauschen als Stöung

Lars Bluma schreibt in seinem Buch “Norbert Wiener und die Entstehung der Kybernetik im Zweiten Weltkrieg. Eine historische Fallstudie zur Verbindung von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft” (Münster 2005) auf Seite 35: “Die Fehlfunktionen von Nachrichtensystemen, also all die verlorenen Briefe, Nachrichten, Wörter und Signale, können natürlich nicht umstandslos als Rauschen aufgefasst werden. Die Stöung bildet gewissermaßen eine wichtige (und durchaus prominente) Kategorie unter anderen Störungen im Bereich technisch vermittelter Kommunikation.” (sic!)

Der Begriff der “Stöung” tritt hier in doppelter Hinsicht in einen Zusammenhang mit dem Rauschen. Einerseits ist kaum zu bezweifeln, dass das fehlende “r” mit voller Absicht fortgelassen worden ist, sozusagen um der sachlich-inhaltlichen Textebene eine zweite, exemplarische beizufügen. … »

Das Bildsein vor dem Recht

Wie eine Theorie aussehen kann, die „nicht nach Positionen fragt, sondern nach dem, was jede Position voraussetzt“, versucht seit einigen Jahren der österreichische Rechtstheoretiker und -informatiker Friedrich Lachmayer vor Augen zu führen. Eine Auswahl seiner anregenden Präsentationen findet man hier.

Unlängst publizierte er in einem Blog einen neuen Bildsatz, mit dem er über die Folgen der Verstärkten Aufmerksamkeit für das Bildsein, das Multimediasein, oder letztlich das Multisensorischsein der Rechtstheorie nachdenkt:

Quelle: Friedrich Lachmayer 2010.

Vielleicht könnte man diesen … »

Frühe Bewegtbildschreiber

Eine hochinteressante Seite zur Frühgeschichte des Fernsehens: http://www.tvdawn.com/recordng.htm

Die Frage nach dem “Prä” der Positionen


Abb. aus Michel Serres: La Légende des Anges, Paris 1993.

Wolken und Wörter im Zwischenraum. Es ist das Reich der Operatoren und Vektoren, der logischen Schalter und sprachlichen Ausdrücke wie “in”, “auf”, “unter”, “über”, “vor”, “zwischen” usw. Der Zwischenraum ist der Raum des “zwischen”, kurz: der Präpositionen. Dort zeigt sich ein eigenartiger Hang zur Begriffslosigkeit, denn Begriffe sind Substantive. Wie aber sähe eine Theorie aus, die sich weniger um Begriffe = Substantive kümmern würde, als vielmehr um jene anderen Wörter? … »

Hybridantrieb für Quasi-Regierung

Die wachsende Auslagerung von staatlichen Aufgaben an private Dienstleister hat auch organisationelle „Hybridisierung“ zur Folge. Es findet eine Machtverschiebung statt, für die Jonathan Koppell den Begriff „Quasi-Regierung“ wählt; mit verschiedensten Konsequenzen. Die „überraschendste“ Konsequenz der „Quasi-Regierung“, die Koppell in seiner Untersuchung zur (Un)Regulierbarkeit von hybriden Organisationen (wie Fanny Mae oder Freddie Mac) im Jahr 2003(!) identifizierte, ist der institutionelle Selbstentwurf:

One of the most surprising developments for policy-makers who create a new organization to accomplish some public policy purpose may be that, once translated from abstract concept into actual entity, the organization takes on a life of its own. It has its own interests and the means to pursue them. […] Hybrid organizations may even be able to use their influence to reshape themselves … »

Radieschen

Die malerische Namensgebung der deutschen „Geräte“ im Zweiten Weltkrieg, sprich Waffen, war nicht immer sinnbildlich.

Das abgebildete passive Zielsuchgerät „Radieschen“ etwa, das von der Reichspostforschungsanstalt … »

people – concepts – benjamin – symmetry principle

Spontane Technik der Symmetrisierung in STS:

Mehr unter http://sociotech.net/

Globale Polyeder-Governance

Schon das globale Lininendenken bei Carl Schmitt (Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum, Berlin 1974, S. 55f.) wies der Geometrie eine strategische Rolle zu. Da jeder rechtlichen Ordnung eine Landnahme vorausgehe, hat man es – wegen des Oberflächencharakters der Erde – meist mit Flächenfiguren zu tun. Komplexer wird es, wenn man die Fläche verlässt; ob mit U-Booten, Flugzeugen oder Internet.

Ungeachtet der technischen Verfügbarkeit des Raumes, nehmen die operativen Figuren der Governance-Geometrie auch heute … »

„Simply move the sliders.“ Ein Mischpult für Manager

Eine der größten Anwaltskanzleien der Welt (DLA Piper) entwickelte einen bemerkenswerten Mischpult.

Dashboard

Die Mischpult-Metapher soll den Prozess der Aushandlung von Outsourcing-Verträgen … »

Ballistik des heutigen Blicks

Augensprünge vor einem Bild werden in der Wahrnehmungspsychologie bekanntlich als “sakkadische” oder „ballistische Bewegungen“ bezeichnet. So heißt es etwa bei Julian Hochberg: „Wohin man blicken wird, ist im voraus festgelegt. Der ‚Inhalt‘ jedes einzelnen Blicks ist also gleichsam immer eine Antwort auf die Frage nach dem, was gesehen wird, wenn irgendein Teil der peripher gesehenen Szene auf die Fovea gebracht wird.“ (Hochberg 1977, 80). Diesem Beschuss der Bilder durch das Auge setzt der Werbeforscher Werner Kroeber–Riel mit der bekannten Formel der „schnellen Schüsse ins Gehirn“ den Beschuss der Augen durch die Bilder entgegen (Kroeber-Riel 1993, 53).

20090801034533124j5_195427_0

In der Zusammenschau beider Bemerkungen zeigt sich, dass dem visuellen Schuss ins Gehirn immer eine Augenbewegung auf das Bild, dem Erleiden also ein Zulassen vorausgehen muss. … »

Das Recht der digitalen Unschärfe

In einer wunderbar „unscharfen“ und gehaltvollen Habilitationsschrift untersucht Volker Boehme-Neßler das Aufeinandertreffen von Digitalisierung und Recht. (Volker Boehme-Neßler, Unscharfes Recht. Überlegungen zur Relativierung des Rechts in der digitalisierten Welt, Berlin 2008.)

Durch die Digitalisierung wandeln sich die Aufgaben des Rechts ebenso wie seine Instrumente. Dieser Veränderungsprozess, der gerade erst beginnt, muss theoretisch und dogmatisch erfasst und für die Praxis operationabel gemacht werden. Die deutliche Tendenz zur digitalen Unschärfe in der Lebenswelt und im Recht ist eine dreifache Herausforderung – für die Rechtstheorie, für die Rechtsdogmatik und für die Rechtspolitik. (S. 665)

Es gilt also, Unschärfe als Methode … »

Studie für diatomische Tonleiter

Diese Studie für eine diatomische Tonleiter, arrangiert für eine Cyanogen-Band, zirkulierte 1942 in Princeton.

Physikalisches Lied

Vermutlich wurde sie von der dort ansässigen Abteilung des American Institute for Useless Research produziert. … »

Im Zeichen der Wiederverdinglichung

Wirtschaftswissenschaftliche Modellierungen bedienen sich meist symbolischer Manipulation der Mathematik. Ob sich das zu modellierende Ding auch entsprechend formalisieren lässt, ist selten unproblematisch. Aber auch umgekehrt, die (Wieder)Verdinglichung des einst Formalisierten geht mit diversen Schwierigkeiten einher.

Ein kleines Beispiel … »

a als Korollar und Sonderfall von b

Obwohl der Versuch, zwei beliebige Dinge voneinander klar abzugrenzen, zuverlässig scheitert, spielt er, zumindest als rhetorische Figur, immer noch eine wichtige Rolle. Inwieweit die Grenze als Modell aber geeignet ist, begriffliche Systeme zu entwickeln, bleibt in der Regel ungefragt. Und dies, obwohl andere Modelle durchaus zur Hand sind. Eines stammt von Leibniz:

Der Fall oder Begriff der Ellipse läßt sich bekanntlich dem der Parabel derart annähern, daß der Unterschied zwischen beiden unter jede beliebig kleine Größe sinkt, wofern man nur annimmt, daß der eine Brennpunkt der Ellipse sich weit genug von dem anderen entfernt. [...] man wird demnach kraft unseres Prinzips [des Kontinuitätsprinzips] alle von der Ellipse geltenden geometrischen Sätze ohne Ausnahme auf die Parabel anwenden können, sofern diese als eine Ellipse, deren einer Brennpunkt unendlich fern ist, angesehen wird, oder – wenn man den Ausdruck des Unendlichen vermeiden will – als eine Figur, deren Unterschied von der Ellipse unter jeden beliebig kleinen Wert vermindert werden kann.

DSC_0189-k

Übertragen wir jetzt dasselbe Prinzip auf die Physik, so kann man … »

Twitcaps, Picfog & co. Zu klickfreien Querungen der Bilderströme

Schließlich messen wir eine Kultur nicht an den unverhüllten Trivialitäten, die sie hervorbringt, sondern an dem, was sie für bedeutsam erklärt,

schrieb Neil Postman in seinem Buch mit einem inzwischen ziemlich verstaubt klingenden Titel: Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie. (Frankfurt am Main, 1988, hier 2002, S. 27.)

Die “medienökologische” Überforderung, auf die Postman Ende 1980er reagierte, kam vom Fernsehen – jener Einbahnstrasse der Attraktionen, die mit einem Jog Dial in der Fernbedienungshand nur noch schneller abgefahren werden konnte. Eine Dekade später schien das Klicken im Internet gegenüber dem Zappen wie spontanes Wellenreiten. An der bequemen Sitzsituation änderte sich wenig: Couch-Potato wurde zum Drehstuhlsack.

Immerhin wird der Rücken ein wenig entlastet, wenn heute, eine weitere Dekade später, … »

Splitter und Lumper

Was sich seit längerem unter Systematikern der Biologie konkretisiert, dürfte auch andere Wissenschaften stärker prägen als man vielleicht denken möchte:

“Die beiden Wörter (Splitter = ‘Spalter’, Lumper = ‘In-einen-Topf-Werfer’) sind in der biologischen Systematik zu Fachbegriffen geworden: Ein Lumper fasst Tiere (oder Pflanzen) zu großen Gruppen zusammen, ein Splitter teilt sie in viele kleine Gruppen auf. Splitter erfinden immer neue Namen und erheben in Extremfällen – wenn es um Fossilien geht – fast jeden neu entdeckten Fund in den Rang einer eigenen Spezies.” (Richard Dawkins, Geschichten vom Ursprung des Lebens, Berlin 2008, 329) Beide Gruppen liefern sich gegenseitig Anstöße, Gelegenheiten, Aufgaben – manchmal den Sinn ihres Forscherlebens.

tree of life

Es stellt sich natürlich die Frage, … »

Kittlers Hauptumschalte(r)

Ist nach der sogenannten “Hellenistischen Wende” mit “Musik und Mathematik” nun die “Prolegomena zu einer Medientheologie” Professor Dr. Friedrich Kittlers letzte Hauptumschalte seines medienphilosophischen Oeuvres?


Abbildung von 1883.

Kurzröckiges und Modelling im CAD

Daß Modelling seiner Doppeldeutigkeit auch im CAD Rechnung trägt, war bereits seit dem ersten Jahrgang der Zeitschrift Computer Aided Design (1968) nicht zu übersehen. Die Winterausgabe von 1971 (S. 46) dokumentiert eindrücklich die Konjunktur des Kurzröckigen. Es mag sogar der Endruck entstehen, daß die computermöblierten Räume damals beinahe von jungen Damen bewohnt wurden:

All die Frauen- und Gerätebilder zusammenzutragen und sie auszustellen wäre doch ein lohnenswertes Unterfangen.

Neuste Kommentare

Archiv

DYADR.

Switch to our mobile site