Peter Koval, 6. Juni 2010
Handschriftbildlich
Maschinenschriftbildlich:
Handgemachte Notizen samt Kritzeleien am Rande des Bewusstseins haben einen intimen Charakter. In dem von geradlinigen Standardzeichen dominierten Alltag verleihen sie dem Autor eine unübersehbare Präsenz. Seit geraumer Zeit zirkuliert immer mehr Handschriftbildliches im Internet, vorzugsweise im Moleskine-Format. (Eine Bildersuche nach #sketchnote oder #viznote lohnt sich.) Wenn diese privaten Notizen nun mit dem Bewusstsein gemacht werden, dass sie veröffentlicht werden – so könnte man meinen –, büßen sie gerade an der Intimität ein: Fehler werden möglichst vermieden, die Gesamterscheinung ziseliert oder gar ein bildpolitisches Programm umgesetzt. Ein solches schrieb sich z.B. auch das Projekt vizthink.com auf die Fahne. So gibt es immer wieder instruktive wie unterhaltsame Anleitungen (Abb. 1; oder auch hier), die Hände von der (linearen) Diskretion der Tastatur auf das (nichtlineare) Kontinuum des Papiers zurückzuholen, um „visueller“ zu notieren und zu denken.
Bemerkenswert ist dabei der Vorgang: Es wird zuerst ein zwar beliebig erweiterbares, aber recht kleines „Alphabet“ von Grundformen angelegt, das durch einfache Kombinationen und Variationen eine sehr komplexe visuelle Sprache möglich macht. Vielleicht müsste man sich fragen, in welcher Relation dieser (womöglich notwendiger) Lernvorgang zu den offenkundigen Schwierigkeiten steht, fertige „viznotes“ zu formalisieren (Polysemie, Kontext etc.) Denn um überhaupt zirkulieren zu können, müssen die „viznotes“ (immer noch) als nicht-maschinenlesbares Ganzes digital abfotografiert bzw. eingescannt und hochgeladen oder verschickt werden (vgl. Abb. 2).
Abb. 2 Beispiel einer Bildersammlung als Spezialfall der Skulpturalität. Quelle: Flickr.


Vom medialen “Eigenleben” des Handschriftbildlichen wird man sicherlich noch hören:
In diesem Kontext sonst http://knowledge-in-the-making.mpiwg-berlin.mpg.de/knowledgeInTheMaking/en/index.html.
[...] das Loch betrachtet gehört dieses handschriftbildlich verzierte Palmblatt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts wohl zu den sinnlichsten Lochkarten der [...]