Unthematizität der Welt thematisieren

Ist die Welt nun Korollar oder Sonderfall natürlicher Einstellung? “Natürliche Einstellung” meint bei Husserl nicht persönliche Lebenshaltung, sondern eine Grundbestimmung des In-der-Welt-Seins als Ermöglichung von Einstellung an sich.

Das philosophisch-wissenschaftliche Denken thematisiert die Welt, die in der natürlichen Einstellung schlechthin aller Thematisierung entzogen war. Aber die von der Philosophie und Wissenschaft thematisierte Welt ist diesselbe wie die der natürlichen Einstellung. Sie bleibt also das prinzipiell unthematisierte Korrelat der natürlichen Einstellung. (Fußnote) Diese Unthematizität für die natürliche Einstellung ist – das sei noch einmal unterstrichen – die Husserlsche Grundbestimmung der Welt und damit dann auch der Lebenswelt.

Diesen zu thematisierenden Thematizitatismus der Welt gefunden in Klaus Held, Husserls neue Einführung in die Philosophie, in: Carl Friedrich Gethmann (Hg.), Lebenswelt und Wissenschaft. Studien zum Verhältnis von Phänomenologie und Wissenschaftstheorie, Bouvier, Bonn 1991, S. 92f.


Themen: WILDR.

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4 Kommentare

  1. Peter Koval sagt:

    Ist denn die Notwendigkeit oder das Bedürfnis, die Unthematizität der Welt zu thematisieren, einer wie auch immer banalen “epistemischen Verantwortung” verschuldet? Oder doch dem philosophisch-wissenschaftlichen Denken, welches man so wunderbar Counter-Strike-artig als “pwnd” abkürzen und interpretieren kann?

  2. dr. phil. robert dennhardt sagt:

    weltstiftend pawningly spawn …

  3. Dr. phil. Reinhard Wendler sagt:

    Das Fremdeste paaren, das Vergessen des Vergessens erinnern, den Thematizitatismus thematisieren – wir denken ikonotropisch, türmen Ebenen und formen Knoten. Unbewusstes Gestalten mit deutlichem Stilwillen.

  4. Peter Koval sagt:

    Eben das ist eine der (FILDR.-)Fragen hier: Wie kann man – wenn man denn soll – dieser Selbstanwendung des Symbolischen widerstehen, sie unterlaufen, überführen oder sein lassen? Sind wir nicht auf den Stilwillen angewiesen? Kommt (überhaupt) eine Epistemologie an ihm vorbei? Ob Machtanalysen oder mathematische Beweisführung, man konfrontiert eine Ordnung mit sich selbst. Bildwissenschaften fallen da (manchmal) auf eine sonderbare Weise durch und heraus. Wer sonst noch?

    Der vorhin erwähnte Hinweis auf pwnd, auf den Besitz also, auf das “bloße” habhaft-Werden, war ein Versuch, der üblichen weltstiftenden Instrumentalisierungsverpflichtung zumindest nicht zu folgen. Das Türmen und Knoten scheint mir ebenfalls nicht notwendig zu sein. Eine Abkürzung könnte die “Sprache” sein. Warum nicht? Sie radikal zu verkürzen – wie man sich das in den Büchern noch nicht traut, hier dagegen schon – hieße (programmatisch), auf den in den Geisteswissenschaften weitverbreiteten Verzicht von Evidenzen zu verzichten. Warum also nicht Besitz? Oder verharren wir so oder so im Besitz der (Bild-)Sprache?

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