Dr. phil. Reinhard Wendler, 29. Oktober 2009
Studie für diatomische Tonleiter
Diese Studie für eine diatomische Tonleiter, arrangiert für eine Cyanogen-Band, zirkulierte 1942 in Princeton.

Vermutlich wurde sie von der dort ansässigen Abteilung des American Institute for Useless Research produziert. Die Zeichnung soll von einer gewissen Mrs. Brenda Elliott vom Institute of Physics nach einer Kopie von Francis E. Throw rekonstruiert und angeblich durch Molly Kule übermittelt worden sein. Quelle: Robert L. Weber, Kammerphysikalische Kostbarkeiten, Braunschweig, Wiesbaden 1986, 97f.
Offenkundig fließen hier musikalische und physikalische Notationen zusammen und regen die Phantasie, vielleicht auch einmal einen Musiker, dazu an, Physikalisches nach den Vorgaben dieser “graphischen Notation” zu musizieren. Natürlich hat sich auch in den Notationswelten der Physik seit 1942 so einiges getan. Wie würde ein solches Lied wohl heute aussehen und klingen?



Geht die bemerkenswerte Partitur über einen Eigensinn hinaus? Ich meine, könnte man die Notation samt Text als einen kreativ gestalteten, allerdings faktischen Kommentar zu bestimmten Problemen der Physik oder zumindest deren Un-Nützlichkeit in 1942(!) interpretieren? Oder wird da “lediglich” die Ähnlichkeit der Notationen (sozusagen ein Notations-Dada) verhandelt?
“Digitale Poesie” wäre da ein – nicht mehr ganz aktuelles und nicht unbedingt auf Wissenschaft bezogenes – funktionales, vor allem aber funktionierendes(!) Analogon. (Vgl. z.B. http://www.perlmonks.org/index.pl?node=Perl%20Poetry)
Zu solchen und ähnlichen Schrift-Bild-Gedanken-Spielereien gibt es weitere wunderschöne Beispiele in zwei Büchern von Douglas R. Hofstadter: “Gödel, Escher, Bach. Ein endlos geflochtenes Band” von 1979 (dt. 1985) und gemeinsam mit Daniel C. Dennett “Einsicht ins Ich. Fantasien und Reflexionen über Selbst und Seele” von 1981 (orig. “The Minds I”, dt. 1982).