Peter Koval, 10. Dezember 2009
Globale Polyeder-Governance
Schon das globale Lininendenken bei Carl Schmitt (Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum, Berlin 1974, S. 55f.) wies der Geometrie eine strategische Rolle zu. Da jeder rechtlichen Ordnung eine Landnahme vorausgehe, hat man es – wegen des Oberflächencharakters der Erde – meist mit Flächenfiguren zu tun. Komplexer wird es, wenn man die Fläche verlässt; ob mit U-Booten, Flugzeugen oder Internet.

Ungeachtet der technischen Verfügbarkeit des Raumes, nehmen die operativen Figuren der Governance-Geometrie auch heute selten mehr als zwei Dimensionen ein: Linien, Achsen, Pole, Dreiecke, Polygone, Kreise oder – relativ häufig auftretende – pseudo-räumliche Pfeiler. Der eigenwillige Vorschlag Anthony Judges, die Analyse und Gestaltung im Bereich globaler Governance durch Polyeder zu verräumlichen, die Figuren also programmatisch zu verkomplizieren, bringt weniger eine pragmatische Lösung für Regelungs- und Regulierungsprobleme in (virtuellen) Räumen hervor, als vielmehr die (ohnehin faszinierende) Frage nach den Handlungsräumen solcher Modelle.



Buckminster Fuller verwendete Polyederstrukturen als Modelle globaler Strukturen. Insbesondere die sogenannten Tenesgrity-Structures fanden epistemische Verwendung: “Zug und Druck arbeiten sich im antagonistischen Ausgleich und in regelmäßigen Phasen in ein wachsende Dimension hinein. Das Bild der Seilschaft, das Fuller später für das World Game verwenden wird, scheint hier bereits angedeutet“ Joachim Krausse, Claude Lichtenstein (Hg.), Your Private Sky. R. Buckminster Fuller. Design als Kunst einer Wissenschaft, Zürich 2000, S. 401 (vgl.: http://www.bfi.org/taxonomy/term/170/all) Nicht zu vergessen natürlich auch die Fuller-Projektion: http://markmaunder.com/2007/dymaxion-map-were-all-connected/