Gesetzmäßigkeit des Ansehensverlusts

Francis Crick charakterisierte im Gespräch mit Horace Judson einmal die technischen Fortschritte in der molekularbiologischen Forschung als eine Gesetzmäßigkeit, die vage an das Mooresche Gesetz erinnert:

“Die Liste der Techniken [wie kristallographische Röntgenanalyse, automatische Messung von Reflexintensitäten, Datenanalyse "mit sehr schnellen Computern"] ist nichts Statisches – und sie werden immer schneller. Wir haben eine Redewendung im Laboratorium, daß die Schwierigkeit eines Projekts innerhalb von zehn Jahren vom Nobelpreisniveau auf das Niveau einer Doktorarbeit absinkt!” (Horace Judson, Der 8. Tag der Schöpfung. Sternstunden der neuen Biologie, München, Wien 1980, 150)

Dieser Regel zufolge wäre die Ermittlung der Struktur der DNA heute, nach 57 Jahren, wohl nur geringfügig mehr als einen Anschiss wert. … »

Rauschen als Stöung

Lars Bluma schreibt in seinem Buch “Norbert Wiener und die Entstehung der Kybernetik im Zweiten Weltkrieg. Eine historische Fallstudie zur Verbindung von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft” (Münster 2005) auf Seite 35: “Die Fehlfunktionen von Nachrichtensystemen, also all die verlorenen Briefe, Nachrichten, Wörter und Signale, können natürlich nicht umstandslos als Rauschen aufgefasst werden. Die Stöung bildet gewissermaßen eine wichtige (und durchaus prominente) Kategorie unter anderen Störungen im Bereich technisch vermittelter Kommunikation.” (sic!)

Der Begriff der “Stöung” tritt hier in doppelter Hinsicht in einen Zusammenhang mit dem Rauschen. Einerseits ist kaum zu bezweifeln, dass das fehlende “r” mit voller Absicht fortgelassen worden ist, sozusagen um der sachlich-inhaltlichen Textebene eine zweite, exemplarische beizufügen. … »

Bioadapter und VerLust an Selbstironie

In einem interessanten Interview prophezeite neulich Linda Stone, ehemals eine Managerin bei Apple und Microsoft, dem Bioadapter eine große Zukunft – als positivistisches Regulativ der Mensch-Computer-Interaktion in Form von ludischen Verkörperungen des nichtinvasiven Feedbacks. Eigentlich müsste man dem Spiel mit sich selbst überlegen sein.

Vierzig Jahre nach der Veröffentlichung Oswald Wieners „Roman“ sind wir zwar immer noch nicht von der Philosophie durch Technik befreit, dafür wird die Verbesserung ohne Mitteleuropa geplant und ganz ohne Ironie gemeint. (Vgl. Oswald Wiener, Die Verbesserung von Mitteleuropa, Roman, Reinbek b. Hamburg 1969.)

Das Recht der digitalen Unschärfe

In einer wunderbar „unscharfen“ und gehaltvollen Habilitationsschrift untersucht Volker Boehme-Neßler das Aufeinandertreffen von Digitalisierung und Recht. (Volker Boehme-Neßler, Unscharfes Recht. Überlegungen zur Relativierung des Rechts in der digitalisierten Welt, Berlin 2008.)

Durch die Digitalisierung wandeln sich die Aufgaben des Rechts ebenso wie seine Instrumente. Dieser Veränderungsprozess, der gerade erst beginnt, muss theoretisch und dogmatisch erfasst und für die Praxis operationabel gemacht werden. Die deutliche Tendenz zur digitalen Unschärfe in der Lebenswelt und im Recht ist eine dreifache Herausforderung – für die Rechtstheorie, für die Rechtsdogmatik und für die Rechtspolitik. (S. 665)

Es gilt also, Unschärfe als Methode … »

Der Mensch als Nicht-Ort der Maschine

Ein nicht unwesentlicher Teil der PhD-Armada bei Intel beschäftigt sich mit dem Menschen und seiner Zukunft. Eigentlich müssten die Maschinen auch ohne uns auskommen, meinte endlich Prasanna Mulgaonkar, der Chef von Networking Technologies Lab. Die Rechner würden uns unsere Ortsbestimmung geben, allerdings nur, … »

Von der Paradoxie der Produktivität

Erik Brynjolfsson ist unter anderem mit seinem Versuch bekannt geworden, das so genannte IT-Produktivitätsparadoxon zu entmachten. Ist es der Produktivität seiner früheren Arbeit verschuldet, wenn er heute, sechzehn Jahre später ein so unproduktives Buch (E. Brynjolfsson, A. Saunders, Wired for Innovation. How Information Technology is Reshaping the Economy, Cambridge (Mass.), London, 2010.) herausbringt? Oder braucht er etwa einen neuen Rechner?

Im Selbstentwurf

Ein weiterer Fund zur Entwurfsautomatisierung (design automatization). Das “Computervision Designer System” mit einer interaktiven grafischen Benutzerschnittstelle (unten links) war – selber ein Raum voll Elektronik – für den Entwurf von gedruckten Schaltungen vorgesehen (unten rechts). Eine Druckerei, die sich selbst druckt, wenn man so will. Oben die Befehlstabelle und in der Mitte, wie im vorherigen Beitrag, das Design des Designs. Selbstredend im Flussdiagramm.

Philippe Villers: A minicomputer based interactive graphics system as used for electronic design and automation. In: Proceedings of the 15th Design Automation Conference. New Jersey 1978. S. 447 u. 449.

David R. Johnson: PC Board Layout Techniques. In: Proceedings of the 16th Design Automation Conference. New Jersey 1979. S. 337 u. 341.

Theorie des Partisanen und Maschinenkriegen

Wo liegt da die Ortung? Im Netz der Ordnung?

Once we know how bots are commanded, we could infiltrate the botnet so that we can inject commands ourselves. … While it is technically possible to take over most botnets, legal aspects must be taken into consideration. … proactively fighting botnets requires immediate political and international consenus.

Mehr aus Tallin und Bonn hier.

Automatic Generated Artwork

Cook et al.: Automatic Artwork Generation for Large Scale Integration. In: IEEE Journal of Solid-State Circuits, Vol. SC-2, No. 4, December 1967. S. 192.

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