Twitcaps, Picfog & co. Zu klickfreien Querungen der Bilderströme

Schließlich messen wir eine Kultur nicht an den unverhüllten Trivialitäten, die sie hervorbringt, sondern an dem, was sie für bedeutsam erklärt,

schrieb Neil Postman in seinem Buch mit einem inzwischen ziemlich verstaubt klingenden Titel: Wir amüsieren uns zu Tode. Urteilsbildung im Zeitalter der Unterhaltungsindustrie. (Frankfurt am Main, 1988, hier 2002, S. 27.)

Die “medienökologische” Überforderung, auf die Postman Ende 1980er reagierte, kam vom Fernsehen – jener Einbahnstrasse der Attraktionen, die mit einem Jog Dial in der Fernbedienungshand nur noch schneller abgefahren werden konnte. Eine Dekade später schien das Klicken im Internet gegenüber dem Zappen wie spontanes Wellenreiten. An der bequemen Sitzsituation änderte sich wenig: Couch-Potato wurde zum Drehstuhlsack.

Immerhin wird der Rücken ein wenig entlastet, wenn heute, eine weitere Dekade später, … »

Revision der Lesetechnik

… oder zur Latenz der Schriftbildlichkeit.
Martin Derner, ein slowakischer Grafiker, hat sich in der letzten Zeit in mehreren bemerkenswerten Arbeiten mit der Medialität des Buches und der Schrift auseinandergesetzt. Seine Buchschnitte sind, wie ich meine, auch von medienwissneschaftlicher Brisanz.

Mehr hier.

Zurückgedrängt und verstellt

Stefan Rieger zur Medien- und Wissenschaftshistoriographie:

So genau die Kontexte, die jeweiligen Verfahren und Methoden rekonstruiert werden, so sehr die Aufmerksamkeit auf Orte und Einzelanliegen gerichtet sind und so sehr dabei jedes noch so unscheinbare Detail einer eigenen Narration, einer eigenen Bildgebung und Würdigung wert scheint, so wenig ist der analytische Blick auf die semiotischen Gebilde selbst gerichtet. Diese werden von der dominanten Materialität zwar zu Tage gefördert, von dieser aber eben auch in den Schatten ge- und damit teilweise verstellt. Man erfährt mehr über die apparativen Besonderheiten der verwendeten Aufschreibsysteme, über Schrauben und Federn, über resonanzdämpfende Stative und gleichmäßigen Antrieb gewährleistende Uhrwerke als über die dadurch hervorgebrachten Linien und Kurven. … Die Frage jedoch, was man mit den so erhobenen Formen anfangen können soll, wird von der Euphorie des bloßen Datenerhebens von der Fortschrittsgeschichte der dabei verwendeten Apparaturen zurückgedrängt.

Stefan Rieger: Schall und Rauch. Eine Mediengeschichte der Kurve. Frankfurt am Main, 2009. S. 17f.

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