Dr. phil. Reinhard Wendler, 26. August 2010
Francis Crick charakterisierte im Gespräch mit Horace Judson einmal die technischen Fortschritte in der molekularbiologischen Forschung als eine Gesetzmäßigkeit, die vage an das Mooresche Gesetz erinnert:
“Die Liste der Techniken [wie kristallographische Röntgenanalyse, automatische Messung von Reflexintensitäten, Datenanalyse "mit sehr schnellen Computern"] ist nichts Statisches – und sie werden immer schneller. Wir haben eine Redewendung im Laboratorium, daß die Schwierigkeit eines Projekts innerhalb von zehn Jahren vom Nobelpreisniveau auf das Niveau einer Doktorarbeit absinkt!” (Horace Judson, Der 8. Tag der Schöpfung. Sternstunden der neuen Biologie, München, Wien 1980, 150)
Dieser Regel zufolge wäre die Ermittlung der Struktur der DNA heute, nach 57 Jahren, wohl nur geringfügig mehr als einen Anschiss wert. … »
Dr. phil. Reinhard Wendler, 30. Juni 2010
Athanasius Kircher gehört zu den erstaunlichsten Figuren des 17. Jahrhunderts. Aus seiner Feder stammt, neben vielen anderen bemerkenswerten Gedanken, ein kaum bekanntes Theorem zur theologischen Deutung der gewaltigen wissenschaftlichen Erkundungen seiner Zeit.

Im Angesicht der andauernden Entdeckung neuer Weltgegenden per Schiff, neuer Einsichten in die Ordnung des Kosmos per Teleskop und in die mikroskopischen Welten vertrat er die Ansicht, Gott habe nicht nur die Schöpfung, sondern auch den menschlichen Geist vergrößert.
… »
dr. phil. robert dennhardt, 22. März 2010
Nicht
Sage, wie es ist.
(Motto einer Journalistenschule)
Sondern
Es ist, wie ihr es sagt.
(H. v. Foerster)
Nicht
Das Bild ist ein Modell der Wirklichkeit.
(Wittgenstein, Tractatus)
Sondern
Die Wirklichkeit ist ein Modell des Bildes.
(H. v. Foerster)
Peter Koval, 10. Dezember 2009
Schon das globale Lininendenken bei Carl Schmitt (Der Nomos der Erde im Völkerrecht des Jus Publicum, Berlin 1974, S. 55f.) wies der Geometrie eine strategische Rolle zu. Da jeder rechtlichen Ordnung eine Landnahme vorausgehe, hat man es – wegen des Oberflächencharakters der Erde – meist mit Flächenfiguren zu tun. Komplexer wird es, wenn man die Fläche verlässt; ob mit U-Booten, Flugzeugen oder Internet.

Ungeachtet der technischen Verfügbarkeit des Raumes, nehmen die operativen Figuren der Governance-Geometrie auch heute … »
Dr. phil. Reinhard Wendler, 22. September 2009
Obwohl der Versuch, zwei beliebige Dinge voneinander klar abzugrenzen, zuverlässig scheitert, spielt er, zumindest als rhetorische Figur, immer noch eine wichtige Rolle. Inwieweit die Grenze als Modell aber geeignet ist, begriffliche Systeme zu entwickeln, bleibt in der Regel ungefragt. Und dies, obwohl andere Modelle durchaus zur Hand sind. Eines stammt von Leibniz:
Der Fall oder Begriff der Ellipse läßt sich bekanntlich dem der Parabel derart annähern, daß der Unterschied zwischen beiden unter jede beliebig kleine Größe sinkt, wofern man nur annimmt, daß der eine Brennpunkt der Ellipse sich weit genug von dem anderen entfernt. [...] man wird demnach kraft unseres Prinzips [des Kontinuitätsprinzips] alle von der Ellipse geltenden geometrischen Sätze ohne Ausnahme auf die Parabel anwenden können, sofern diese als eine Ellipse, deren einer Brennpunkt unendlich fern ist, angesehen wird, oder – wenn man den Ausdruck des Unendlichen vermeiden will – als eine Figur, deren Unterschied von der Ellipse unter jeden beliebig kleinen Wert vermindert werden kann.

Übertragen wir jetzt dasselbe Prinzip auf die Physik, so kann man … »
Neuste Kommentare
Weitere interessante Artikel
Schlagwörter
Archiv
Wiederverwenden und streuen
filDr. steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland Lizenz
.
DYADR.